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	<title>dtv Magazin &#187; Auschwitz</title>
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		<title>dtv Magazin &#187; Auschwitz</title>
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		<title>Glück, Mut und Chuzpe</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 14:32:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>T. Rausch - freie Journalistin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Auschwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Bergen-Belsen]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass er den Holocaust überlebte, ist für ihn ein »gewöhnliches Wunder«. Freimütig und selbstkritisch erzählt Anatol Chari von seinen Erlebnissen als Getto-Polizist und KZ-Häftling. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ob er oft an den Holocaust denkt? »Nicht oft«, sagt <strong>Anatol Chari</strong>. »Ständig.« 1923 als Sohn eines einflussreichen jüdischen Gemeinderats in Lódź geboren, überstand er die ersten Kriegsjahre in der Getto-Polizei. Die Mitglieder des sogenannten Sonderkommandos beaufsichtigten die Nahrungsmittelverteilung an die Getto-Bewohner und genossen zahlreiche Privilegien. 1944 wurde Anatol Chari nach Auschwitz deportiert, von dort weiter in andere Arbeits- und Konzentrationslager wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bergen-Belsen" target="_blank">Bergen-Belsen</a>, Groß-Rosen und Kaltwasser. Dass er, Häftling Nummer 17 596, all das überlebt hat, nennt Anatol Chari ein »gewöhnliches Wunder« und verweist auf seine Großeltern, die mit über 60 bzw. 70 Jahren als älteste jüdische Überlebende von Auschwitz gelten.</p>
<p>Viele Jahrzehnte später analysierte Anatol Chari zusammen mit dem Historiker Timothy Braatz, welche Bedingungen, Umstände und Zufälle seine Rettung begünstigten &#8211; und ist sich der Subjektivität seines Erinnerungsbuchs ›<strong>Undermensch</strong>‹ durchaus bewusst. »Das sind meine Erfahrungen«, sagt er. »Andere haben möglicherweise anderes erlebt, aber bei mir war es eben so.«</p>
<p>Dass ein ehemaliger Getto-Polizist freimütig Auskunft gibt, ist ungewöhnlich. Schließlich beruhte seine privilegierte Position vornehmlich auf Glück, das nicht selten auf Kosten anderer ging. »Die meisten Mitglieder des Sonderkommandos, die den Krieg überlebt haben, geben nicht zu, dass sie der Gettopolizei angehörten«, schreibt Anatol Chari. »Wir hatten es so viel besser als die meisten anderen im Getto, dass es schwerfällt, sich nicht schuldig zu fühlen.« Anatol Chari ist auf die genaue, vorbehaltlose Beschreibung seiner Gefühle bedacht. Manches irritiert den Leser – zum Beispiel, dass Fotos der Leichenberge von Auschwitz Anatol Chari heute emotional kaum berühren. »Das war damals eben mein Alltag«, meint er. »Wenn ich hingegen etwas über heutige Grausamkeiten lese, beschäftigt mich dies viel mehr, denn ich habe eine ungefähre Vorstellung von dem, was die Betroffenen durchmachen.« Und so beginnt man langsam zu begreifen, wie tief die Jugenderlebnisse den heute 86-Jährigen prägten. Dass er sich als »Sonder« regelmäßig Essen abzweigte, belastet ihn nicht – anders hätte er nicht überlebt. Dass er Freunden kleine Bitten, die ihr Leiden gelindert hätten, aus Bequemlichkeit abschlug, kann er sich hingegen nicht verzeihen.</p>
<p>Regelrechte Todesangst verspürte Anatol Chari indes jahrelang auf Reisen. Da ihn jede Zug- oder auch Busreise an den schrecklichen Transport nach Auschwitz erinnerte, hoffte er lange Zeit, immer weiterfahren zu dürfen: »Ich wollte nicht aus dem Bus aussteigen. Heute bin ich darüber hinweg – über die Angst, an einem Ort anzukommen, egal an welchem, doch es hat Jahre gedauert.«</p>
<p>Erstaunlich ist, dass er bei alledem nie Hass auf die Deutschen oder gar ein Bedürfnis nach Rache verspürte. Anatol Chari selbst vermutet, er habe in der Schule gefehlt, als Hass behandelt wurde. Die Gründe für sein Überleben seien Glück, Unterstützung und Köpfchen. Nicht zu vergessen seine Fähigkeit, sich in kürzester Zeit auf neue Situationen einzustellen. So hatte Chari nach Kriegsende keinerlei Hemmungen, als Displaced Person von den Deutschen etwas einzufordern. »Ich fürchtete mich nicht mehr vor ihnen und war dabei, […] mir eine neue Haltung zuzulegen: Ich habe überlebt, ihr könnt mich also alle mal!«</p>
<p><em>Tina Rausch</em></p>
<p><em><div id="attachment_3157" class="wp-caption aligncenter" style="width: 188px"><img class="size-full wp-image-3157" title="Anatol Chari: &quot;Undermensch&quot;" src="http://www.magazin.dtv.de/wp-content/uploads/2010/01/9783423247702_1781.jpg" alt="" width="178" height="277" /><p class="wp-caption-text">Anatol Chari: &quot;Undermensch&quot;</p></div><br /></em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Undermensch&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 11:02:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>F. Roggenkamp - dtv</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchtipp der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Auschwitz]]></category>
		<category><![CDATA[Bergen-Belsen]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>

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		<description><![CDATA[In "Undermensch" geht es darum, wie man ein KZ überhaupt überleben konnte: mit mehr Glück als Verstand, mit Witz und Gewitztheit, Chuzpe und Scharfsinn - und mit Privilegien, die andere Gefangene nicht hatten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anatol Chari - der Name klingt nach einem lustigen ungarischen Zigeunerburschen, einem Zirkusclown, einem heiteren Gesell&#8217; aus dem Volkslied. Doch Anatol Chari ist ein kalifornischer Zahnarzt, 86 Jahre alt, gutsituiert - und er hat Auschwitz überlebt. Und Bergen-Belsen, Groß-Rosen, Kaltwasser und andere Arbeits- und Konzentrationslager der Nazis. &#8220;Schon wieder so ein Holocaustbericht&#8221;, mag man denken, &#8220;die immergleichen, ermüdenden Geschichten von Leid, Folter und Tod&#8221;. Aber Charis Bericht ist anders: In &#8220;Undermensch&#8221; geht es darum, wie man ein KZ überhaupt überleben konnte: mit mehr Glück als Verstand, mit Witz und Gewitztheit, Chuzpe und Scharfsinn &#8211; und mit Privilegien, die andere Gefangene nicht hatten.</p>
<p>&#8220;Ich ärgere mich sehr darüber, wenn ich höre, wie Überlebende behaupten, sie hätten ohne jegliche Privilegien überlebt oder seien frei von Egoismus gewesen&#8221;, schreibt Chari: &#8220;Das ist einfach nicht wahr&#8221;. &#8220;Undermensch&#8221; ist eine sehr persönliche, sehr detaillierte und sehr direkte Berichterstattung aus der Hölle der KZs, und stets behält der Autor den distanzierten, selbstbeobachtenden und zugleich direkten Ton bei, der dieses Buch so lesenwert macht. Zusammen mit Timothy Braatz, einem jungen amerikanischen Historiker, hat Chari seine Erinnerungen verfasst, und dessen Vorwort und Kommentierung erhellen die Umstände der Aufzeichnung und werfen zugleich ein Licht auf die zutiefst fragwürdige Behandlung der Holocaust-Überlebenden bis in die jüngste Vergangenheit.</p>
<p>Das letzte Wort aber behält <a href="http://www.magazin.dtv.de/index.php/2010/01/31/gluck-mut-und-chuzpe/" target="_blank">Anatol Chari</a>, der Überlebenskünstler: als er in den 90er Jahren als Tourist nach Dresden kommt, wird ihm erst auf dem Ausflugsdampfer mitten auf der Elbe bewusst, dass er hier schon einmal gewesen ist - zwischen hundert anderen KZ-Insassen, eingepfercht in einem offenen Viehwaggon, im tiefen Winter, bei eisigem Wind. &#8220;Damals wäre es mir nie und nimmer in den Sinn gekommen, dass ich eines Tages hierher zurückkehren würde &#8211; im Zug erster Klasse mit einer deutschen Dame im Arm. Vielleicht ist das ja meine Art der Vergeltung &#8211; oder Genugtuung.&#8221;</p>
<p>&#8220;Undermensch&#8221; bietet eine bislang nicht gehörte oder gelesene Auseinandersetzung mit dem KZ-System der Nazis, an keiner Stelle frei von Emotionen, Wut, Trauer, Zorn &#8211; und zeigt dennoch &#8211; oder vielleicht gerade deswegen &#8211; eine gelegentlich geradezu anstößig ehrliche, faire und auch selbstkritische Perspektive auf. Beeindruckend!</p>
<p><em>Folkert Roggenkamp<br />
Key Account Manager</em></p>
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